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Demomodul "Den Erstkontakt mit Patienten gestalten"
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    Frontaler Cortex/limbisches System

    Neurophysiologische Untersuchungen konnten zeigen, dass aggressives Verhalten durch ein Ungleichgewicht im System des frontalen Cortex und Bestandteilen des limbischen Systems (wie der Amygdala und des Gyrus cinguli) verursacht wird.

    Aggressives Verhalten wird dabei oft durch einen Impuls des limbischen Systems mit fehlendem/insuffizienten Kontrollmechanismus hervorgerufen.

    Prä-/frontaler Cortex Dass der prä-/frontale Cortex maßgeblich an aggressivem Verhalten beteiligt ist, konnte anschaulich an Patienten beobachtet werden, die eine Schädigung des Frontal-Cortex aufwiesen. Sie zeigten enthemmtes und aggressives Verhalten. Gleiches konnte man bei Patienten beobachten, bei denen eine transorbitale Lobotomie durchgeführt wurde.

    Gyrus cinguliBei Patienten mit Schädigung des Gyrus cinguli (z.B. durch Tumore) konnten auch Persönlichkeitsveränderungen beobachtet werden.

    Diese Patienten waren verlangsamt, wirkten abgestumpft und gleichgültig. Man schloss daraus, dass der Gyrus cinguli maßgeblichen Einfluss auf den Antrieb und das Aggressionsverhalten habe. Aufgrund dieser Beobachtungen wurde bei Patienten mit auffällig aggressivem Verhalten und schweren Angststörungen der Gyrus cinguli (Zingulektomie) durchgeführt. Nach dem Eingriff kam es zum Rückgang der Symptome.

    Psychiatrische Erkrankungen

    Ebenso zeigte sich bei psychiatrischen Erkrankungen (z.B. dem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), bei Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen, dass es auf Ebene der frontalen, limbischen und striatalen Hirnareale unterschiedliche Mechanismen gibt, die möglicherweise an einer Aggressionsentwicklung beteiligt sein könnten.

    Schizophrene Psychosen Schizophrene Psychosen stellen eine hochkomplexe und heterogene Krankheits-Gruppe dar.

    Vor allem bei Patienten mit paranoider (wahnhafter) Schizophrenie (z.B Verfolgungswahn) sind verbale und tätliche Angriffe als Verteidigung oder aus Rache nicht unüblich.

    Ein besonderes imposantes klinisches Erscheinungsbild sind katatone Erregungszustände (Raptus). Diese Patienten zeigen ein erhebliches Gewaltpotenzial. Im akuten psychotischen Schub zeigen sich oft Erregungszustände und ein Verlust der Steuerungsfähigkeit gepaart mit hochgradig psychotischer Angst.

    Durch eine konsequente antipsychotische Therapie mit Neuroleptika lässt sich das erhöhte Gewaltrisiko deutlich reduzieren.

    Hirnorganische Beeinträchtigungen Bei hirnorganischen Schädigungen kann es zum einen zu einer Hemmung der Aggressivität als auch zu einer Steigerung der Gewalttätigkeit kommen. Die Ursachen sind mannigfaltig:

    • Wut über eigene Behinderung,
    • Schwäche, Hilflosigkeit, Abhängigkeit,
    • Aphasie mit der Unfähigkeit, sich verbal verständlich zu machen,
    • eingeschränkte Übersicht/Einsicht über/in die Situation,
    • Wut über eingesperrt sein, Freiheitsberaubung, Überwältigung (Zwangsfixierung).

    Zu den Hirnorganischen Erkrankungen gehört die Demenz, Epilepsie, Delir, Hirnorganisches Psychosyndrom (HOPS).

    Hormonelle Auslöser

    Es gibt Hinweise, dass es einen Zusammenhang zwischen einem dysfunktionalen, zentralen Serotonin-Regelkreis und aggressivem Verhalten gibt.

    Genetische Ursachen

    Dass Aggression auch eine genetische Ursache haben kann, zeigt das Brunner-Syndrom.

    Es handelt sich um eine seltene X-chromosomal vererbte Erkrankung, die auf Defekte im Monoaminoxidase Gen A (MAO-A) zurückzuführen ist.

    MAO-A gehört zu den mitochondrialen Enzymen. MAO-A oxidiert bevorzugt Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Gibt es einen Mangel an MAO-A-Aktivität kommt es zu einer Anhäufung der Amine (z.B. Dopamin, Noradrenalin und Serotonin), die als Neurotransmitter wirksam sind.

    Klinisch beobachtbar ist bei diesen Patienten eine milde geistige Retardierung, dissoziales und impulsiv-aggressives Verhalten.

    Intoxikationen

    Stoff

    Wirkung/Symptome

    Alkohol

    Enthemmung, Alkoholrausch, alkoholischer Foetor, Muskelschwäche, Hypothermie, metabolische Azidose, Mydriasis, Harn- und Stuhlinkontinenz, Erbrechen (Aspirationsgefahr), Somnolenz, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, sowie ggf. Atem- und Kreislaufstillstand (bei Intox ›4 Promille)

    Haschisch/Marihuana

    innerlich unruhig, gespannt, reizbar, misstrauisch, zerfahren, verwirrt, dabei Angstattacken, Erregungs- und Panikreaktionen sowie aggressive Durchbrüche gegen sich selbst und andere

    Halluzinogene (LSD, DOM, PCP)

    misstrauisch, reizbar, zerfahren, Selbstüberschätzung, Denkstörungen,

    Wesensänderung, Erregungszustände bis zu aggressiven Durchbrüchen und Panikreaktionen

    Weckamine (Crystal Meth)

    nervös, verstimmt, unruhig, fahrig, rastlos, gereizt bis aggressiv, Verwirrtheitszustände, wahnhafte Verkennungen, Sinnesstörungen

    Kokain

    ängstlich-gereizte Stimmung, Halluzinationen (z.B. „Kokain-Kristalle unter der Haut“, „Kokain-Tierchen“), krankhafte Beziehungsideen, dabei Gefahr starker Erregungszustände, ggf. mit Verfolgungswahn mit fremd- und selbstgefährlichen Durchbrüchen bis hin zu kriminellem Verhalten

    Crack

    extrem hohes psychisches Abhängigkeitspotential, Redezwang,

    Selbstüberschätzung, Wahnvorstellungen, kann Auslöser für Drogenpsychose sein

    synthetische Canabinoide (Spice)

    innere Unruhe, Nervosität, Aggitiertheit,

    schließlich Sinnestäuschungen, Angststörungen bis hin zu Panikattacken,

    Verwirrtheit, Wahnvorstellungen und aggressive Reaktionen

    synthetische Cathinone (Bath Salts)

    innere Unruhe, Redseligkeit, Bewegungs-

    und Handlungsdrang, Trugwahrnehmungen, Verwirrtheit, Angstzustände

    bis hin zu Panikattacken, Depressionen mit Suizidgefahr, aggressive Durchbrüche

    mit Erregungszuständen oder seelisch-körperlicher Versteinerung

    Pathophysiologische Erklärung der Aggression

    Pathophysiologische Erklärung der Aggression

    Heute weiß man, dass auch neurologische oder psychische Veränderungen, z.B. organisch oder hormonell bedingt, Aggression auslösen können.

    Grafik: Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus – LernAtlas der Anatomie. Stuttgart: Thieme; 2012

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