Alter von 62 Jahren. Die meisten Studien re- krutierten ambulante Teilnehmer (18 von 27) in der subakuten (10/27) bzw. chroni- schen (16/27) Phase. Die Teilnehmer lebten zumeist in Ländern mit hohem Einkommen (18/27). In 17 der 27 Studien fehlte eine ausgewogene Kontrollgruppe. Eine Nach- beobachtungszeit war in 8 der Studien ent- halten (im Durchschnitt 9,9 Monate, Spannweite 2–48 Monate). Die Interventionen zum Krafttraining bein- halteten in der Regel Trainingsgeräte (16/27) oder Übungen mit dem eigenen Körpergewicht (10/27), die 2–3 Tage pro Woche über einen Zeitraum von 2–12 Wo- chen durchgeführt und hinsichtlich Inten- sität und/oder Umfang gesteigert wurden. Krafttraining hatte keinen Einfluss auf die Zahl der Todesfälle, weder am Ende der In- tervention (Risikodifferenz RD = 0,00, 95 %KI: –0,02–0,02; 24 Studien, 880 Teil- nehmer, hohe Sicherheit) noch während der Nachbeobachtungszeit (RD = 0,00, 95 %KI: –0,05–0,05; 5 Studien, 202 Teil- nehmer, hohe Sicherheit der Evidenz). Die Evidenz hinsichtlich der Effekte von Krafttraining auf Alltagseinschränkungen am Ende der Intervention war sehr unsicher (SMD = 0,55, 95 %KI: –0,24–1,33; eine Stu- die, 26 Teilnehmer). Es gab keine Nachun- tersuchung. Krafttraining hatte möglicher- weise nur einen geringen oder gar keinen Effekt auf die Inzidenz sekundärer kardio- vaskulärer oder zerebrovaskulärer Ereignis- se (alle Ursachen) am Ende der Interven tion (RD = 0,00, 95 %KI: –0,31–0,31; 1 Studie, 10 Teilnehmer, sehr geringe Evidenz). Kraft- training konnte den systolischen Blutdruck (mmHg) am Ende der Intervention senken, jedoch war die Evidenz hierfür sehr unsicher (MD = –5,00, 95 %KI: –34,42–24,42; 1 Stu- die, 22 Teilnehmer). Krafttraining verbesserte mehrere Indizes der muskuloskelettalen Fitness am Ende der Intervention (insgesamt moderate Evi- denz). Verbesserungen der Muskelkraft tra- ten in den Beinen auf der betroffenen Seite (moderater Effekt, SMD > 0,5) sowie auf der weniger betroffenen Seite auf (großer Ef- fekt, SMD > 0,8). Zudem wurden Verbesse- rungen in beiden Armen beobachtet (mo- derater Effekt, SMD > 0,5), wenngleich die Evidenz für den betroffenen Arm weniger sicher war. Insgesamt lagen am Ende der Nachbeobachtungszeit nur sehr wenige Daten vor, sodass die Gesamteffekte als sehr unsicher eingestuft wurden. Es gab keine Hinweise darauf, dass Kraft- training die (selbstgewählte) Gehgeschwin- digkeit (m/s) am Ende der Intervention (MD = –0,00, 95 %KI: –0,08–0,07, I² = 43 %; 6 Studien, 212 Teilnehmer, moderate Si- cherheit) bzw. zur Nachbeobachtung (MD = 0,12, 95 %KI: –0,02–0,26; 1 Studie, 93 Teilnehmer, geringe Sicherheit) verbes- serte. Krafttraining konnte Gleichgewichtsindizes am Ende der Intervention (SMD = 0,45, 95 %KI: 0,09–0,80; 5 Studien, 190 Teilneh- mer, geringe Sicherheit) und am Ende der Nachbeobachtungszeit (SMD = 0,44, 95 %KI: 0,03–0,85; 1 Studie, 93 Teilneh- mer, geringe Sicherheit) verbessern. Es gab keine Hinweise auf Nebenwirkun- gen, die auf Krafttraining zurückzuführen waren. Die Therapietreue war gut, wenn- gleich es einige Abbrecher gab. Schlussfolgerung Die Autoren schlussfolgern, dass Krafttrai- ning keinen Einfluss auf die Mortalität am Ende der Intervention oder innerhalb der Nachbeobachtungszeit hat. Aufgrund un- zureichender Daten konnten keine Schluss- folgerungen zu den Auswirkungen des Krafttrainings auf Alltagseinschränkungen, die Sekundärprävention kardiovaskulärer oder zerebrovaskulärer Ereignisse gezogen werden. Kommentar Die vorliegende Studie beschreibt die aktu- elle Evidenzlage zum Krafttraining und stellt damit ein fast schon überfälliges Cochrane Review zum Thema „Krafttraining nach Schlaganfall” vor. Zwar konnten zunächst recht viele Studien eingeschlossen werden, das Ausmaß qualitativ hochwertiger Evidenz zu wichtigen Zielparametern der Neurore- habilitation ist jedoch eher gering. So wurde beispielsweise ein moderater Effekt des Krafttrainings auf Alltagseinschränkungen beschrieben, der jedoch auf nur einer einzi- gen kleinen Studie basierte. Krafttraining erhöht wahrscheinlich die Muskelkraft in den Armen und Beinen, ins- besondere auf der nicht betroffenen Seite, am Ende der Intervention. Es kann außer- dem zu einer geringen Verbesserung des Gleichgewichts beitragen, die bei der Nach- untersuchung anhält. Ein Beinkrafttraining nach Schlaganfall wird bereits seit Länge- rem als Ansatz zur Verbesserung der Balan- ce diskutiert. Hierzu sind jedoch weitere Studien erforderlich. Die komfortable Geh- geschwindigkeit wurde hingegen kaum be- einflusst, was möglicherweise daran liegen könnte, dass das Krafttraining nicht ausrei- chend spezifisch auf das Gehen der Patien- ten ausgerichtet war. Zu spezifischen Kraft- trainingsansätzen wie Kraftausdauer, Ex- plosiv bzw. Schnellkrafttraining geben die CochraneAutoren nur wenige Informatio- nen. Solche seit vielen Jahrzehnten in den Sportwissenschaften fest verankerten, spe- zifischen Krafttrainingsansätze könnten je- doch das Potenzial haben, die besonderen Einschränkungen nach einem Schlaganfall zu behandeln (z. B. Verlangsamung und Asymmetrie des Gehens). Fazit Insgesamt gab es beim Krafttraining keine schwerwiegenden unerwünschten Ereig- nisse oder Nebenwirkungen. Allerdings war das Krafttraining möglicherweise nicht für jeden akzeptabel. Autorinnen/Autoren Prof. Dr. rer. medic. habil. Jan Mehrholz Klinik Bavaria in Kreischa GmbH An der Wolfsschlucht 1–2 01731 Kreischa Deutschland Bibliografie neuroreha DOI 10.1055/a27421174 ISSN 25661980 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG, OswaldHesse Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany neuroreha 2026; 18: 7–9 | © 2026. Thieme. All rights reserved. 9