Nick: Ja, und das hilft mir definitiv bei mei- ner Arbeit als Physiotherapeut, besonders bei der Reha auf dem Spielfeld. Da ist es sehr nützlich, wenn man ein bisschen Fuß- ball spielen kann und auch mit der Sprache in der Umkleidekabine vertraut ist. Kann ich gut nachvollziehen. Aber wie bist du vom Fußballspielen zur Physio- therapie gekommen? Nick: Als ich noch ziemlich jung war und gerade die weiterführende Schule ab- geschlossen hatte, spielte ich in einer Ju- gendmannschaft. Fußball war damals alles für mich, und ich träumte davon, ein Profi- spieler zu werden. Mit 13 musste ich wegen Problemen mit den Knie- und Sprunggelen- ken zu einem Physiotherapeuten – das war mein erster Kontakt. Und von da an wusstest du, dass du Sportphysiotherapeut werden willst? Nick: Nein. Ich machte mit dem Fußball weiter und war immer noch fest davon überzeugt, dass ich Fußballspieler werden würde. Allerdings bestanden meine Eltern darauf, dass ich studieren sollte. Als ich dann mit 21 oder 22 Jahren erkannte, dass es mit dem Profifußball nichts wird, dach- te ich mir: „Ich studiere einfach Physiothe- rapie“ und hatte schon damals immer im Kopf, irgendwann als Sportphysiotherapeut im Fußball zu arbeiten. Dann hatten deine Eltern wohl eine gute Idee, als sie von dir einforderten, nicht nur auf den Fußball zu setzen, sondern auch etwas zu studieren? Nick: Ja, letztendlich haben sie eine kluge Entscheidung für mich getroffen. Hast du deine physiotherapeutische Aus- bildung in den Niederlanden gemacht? Nick: Ja, an der Universität Utrecht. Und wie hast du in der Zeit deinen Plan verfolgt, im Profifußball als Sportphysio- therapeut zu arbeiten? Nick: Ich habe immer darauf geachtet, dass alle Projekte, die ich für die Ausbildung und die Praktika machen musste, etwas mit Fußball zu tun hatten. Ich habe zum Beispiel ein Praktikum bei NEC Nijmegen (ebenfalls ein Profiverein in den Niederlan- den; Anm. d. Red.) absolviert. Dort kann- te ich den Physio noch aus meiner aktiven Zeit als Spieler. Beim NEC Nijmegen hätte ich nach meiner Ausbildung auch weiterar- beiten können, aber ich habe mich dann be- wusst dafür entschieden, zunächst in einer Praxis zu arbeiten, um viele Krankheitsbil- der zu sehen und mich breit aufzustellen. Das klingt nach einer reflektierten Ent- scheidung. Nick: Ich hatte vor allem das Gefühl, dass ich nach meinem Abschluss noch kein guter Physiotherapeut war. Und ich war nicht sehr selbstbewusst, was meinen Um- gang mit Testverfahren und meine prakti- schen Fähigkeiten anging. Ich fühlte mich einfach noch nicht bereit, mit der Jugend- mannschaft eines Profifußballvereins zu arbeiten. In der Vereinsarbeit ist das die erste Station, bis man irgendwann einmal zur ersten Mannschaft wechselt. Aber ich wollte als Physiotherapeut mit viel Selbst- vertrauen, viel Wissen und einer klaren Vor- stellung davon, wofür ich stehe, in die Welt des Fußballs einsteigen. Also wollte ich erst einmal in mich selbst investieren, bevor ich als Therapeut den Schritt in den Profifuß- ball wagte. Ein kluger Plan, wie ich finde. Nick: Ja, ich hatte dann aber auch Glück, auf erfahrene Therapeuten zu treffen. Ich kam in die Praxis von Anton de Wijer, einem be- kannten Physiotherapeuten in den Nieder- landen, der für mich sehr wichtig wurde. Denn während ich immer daran gedacht habe, möglichst schnell Sportphysio zu werden, hat er mir geraten, auch die aka- demische Seite unseres Berufs in Betracht zu ziehen. Dabei hatte ich nie an ein Univer- sitätsstudium gedacht. Wie kam es dann dazu, dass du deine Pläne geändert hast? Nick: In dieser Praxis musste ich auch unter- richten, weil wir mit der Fachhochschule Ut- recht verbunden waren. Mit 21 war das ei- nerseits sehr herausfordernd, weil ich selbst noch nicht so weit im Beruf entwickelt war. Aber andererseits war es auch eine enorme Lernerfahrung, weil ich mich gut auf den Unterricht vorbereiten musste, zum Bei- spiel um die vielen Fragen, die man gestellt bekommt, gut zu beantworten. Wie ging dein Weg dann weiter? Nick: Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich schließlich, nicht die Sportphysio- therapie als Weiterbildung zu verfolgen, sondern Physiotherapiewissenschaften (beides MSc-Studiengänge in den Nieder- landen; Anm. d. Red.). Also absolvierte ich neben meiner dreitägigen Wochenarbeit in der Praxis meinen MSc in Physiotherapie- wissenschaften an der Universität Utrecht (NL). Das Studium dauerte 3 Jahre, und als ich damit fertig war, machte ich beim niederländischen Fußballverband KNVB (Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond) ein weiteres Praktikum für wissenschaft- liche Forschung. Beim Verband boten sie mir dann mit folgenden Worten eine For- schungsstelle an: „Nick, wir haben eine Doktorandenstelle, und wir denken, dass du dafür fantastisch geeignet wärst.“ Das hört sich ja wie aus dem Drehbuch an … Nick: Stimmt, aber wie schon beim Studium hatte ich auch diese Option nie in Erwägung gezogen. Damals habe ich mir gedacht, dass ich dann eben auf andere Weise in den Beruf einsteigen würde, anstatt gleich als Sportphysiotherapeut zu arbeiten. Und ich dachte auch, dass ich so vielleicht die Möglichkeit hätte, zur Entwicklung unse- res Berufsstandes beizutragen – und auch zum Wissensaufbau über Fußballverletzun- gen und ähnliche Themen. Schließlich habe ich mich für die Promotion entschieden und in Kooperation mit dem KNVB bei Prof. Frank Baks an der Universität Utrecht mit Studien zu Hamstring-Verlet- zungen promoviert. Und tatsächlich habe ich nie aufgehört, zu versuchen, die Lücke zwischen Praxis und Wissenschaft im Fuß- ball zu schließen. Das ist eine wunderbare Geschichte, die zeigt, dass auch Umwege zum Ziel füh- ren können. Gab es denn außer Anton de Wijer noch andere Leute, die dich beein- flusst haben, oder hast du das meiste al- lein gemacht? Nick: Nein, ich hatte Glück, ich glaube, ich bin in meinem Beruf immer auf erfahrene Therapeuten gestoßen. Und ich schätze Menschen, die schon lange in diesem Beruf tätig sind oder die bereits etwas erreicht haben, sehr. Ich habe diesen Menschen aufmerksam zugehört und nachgedacht. Es gibt nicht den einen Weg, wie ich gese- hen habe – aber meiner hat mich zu dem Therapeuten gemacht, der ich heute bin. Ophey M. Interview mit Dr. Nick van der Horst Sportphysio 2026; 14: 44–46 | © 2026. Thieme. All rights reserved. 45