sische Medizin (TCM) kennt Jiaogulan als Heilpflanze seit der Mate- ria Medica von Li Shi Zhen 1578 [Ahmed, 2023]. In der TCM wird Jiaogulan genutzt, um Krankheiten und „böse Ein- flüsse“ zu beseitigen, innere Hitze zu klären und zu entgiften. Die Geschmacksrichtungen reichen von leicht und ausgeprägt bitter bis hin zu süß. Die bitteren, kühlenden, reinigenden Anteile sollen beispielsweise bei Leber- und Magen-Darm-Entzündungen sowie bei Atemwegserkrankungen helfen. Den süßen Geschmacksantei- len wird zugeschrieben, Herz und Leber zu nähren sowie die Le- bensenergie Qi und das Blut zu unterstützen, was bei Fettstoff- wechselstörungen, Bluthochdruck, Fettleber, Schlaflosigkeit oder Kopfschmerzen eine Rolle spielen soll. In China wird Jiaogulan heu- te als Medizin in Form von Tee oder speziellen Zubereitungen für verschiedene Beschwerden und Erkrankungen genutzt. Als wohl- schmeckender Tee oder Bestandteil von Nahrungsmitteln und Nah- rungsergänzungsmitteln soll es für ein langes Leben und Vitalität sorgen und Krankheiten fernhalten. Bei der Verwendung als Le- bensmittel werden die jungen Triebe von Jiaogulan als Salat genos- sen, während die Blätter Gerichte wie das Congee, ein traditionelles chinesisches Reisgericht, bereichern. Jiaogulan wird inzwischen in vielen asiatischen Ländern und den USA in Form von Tee, Tabletten, Pulver, Kapseln oder Extrakten angeboten. Wichtige Inhaltsstoffe Medizinisch verwendet wird vor allem das Kraut (Gynostemmae herba) etwa in Teeform. Darüber hinaus kommen Extrakte der zen- tralen Inhaltstoffe Saponine, Polysaccharide oder Flavonoide zum Einsatz. Nach heutigem Kenntnisstand stellen Saponine die bedeutsamste Stoffgruppe von Jiaogulan dar. Sie werden entsprechend der Pflan- ze Gypenoside (GPS) genannt. Bisher wurden über 200 verschiede- ne Gypenoside isoliert, von denen 25 % den in Panax Ginseng vor- kommenden Ginsenosiden entsprechen – daher der Beiname „Süd- licher Ginseng“. Neben den Saponinen zählen die Gynostemma- Pentaphyllum-Polysaccharide (GPP) zu den wichtigsten Inhaltsstof- fen; auch von ihnen werden jedes Jahr neue Verbindungen entdeckt und untersucht. Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Jiaogulan sind 2–5 % Flavonoide (TFG), vor allem Quercetinglykoside wie Ru- tin und Kämpferolglykoside. Als weitere interessante Inhaltsstoffe in Jiaogulan finden sich Phy- tosterole, Chlorophylle, Carotinoide, Metastigmane oder Lignane. Ferner sind zahlreiche Mineralien und Spurenelemente wie Eisen, Zink, Kupfer, Kieselsäure, Chrom, Molybdän, Selen, Nickel, Alumini- um, Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium enthalten. Außer- dem ist die Pflanze reich an Aminosäuren, Vitaminen, organischen Säuren, Proteinen und anderen Nährstoffen [Li, 2025]. Es schmeckt süßlich und soll beim Abnehmen helfen. Als Nahrungs- und Heilmittel ist es gut verträglich, darüber hinaus wird ihm eine Wirkung gegen die großen Zivilisationserkrankungen zugeschrieben. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Jiaogulan, der „fünfblättrige Ginseng“, bietet tatsächlich einige Überraschungen. J iaogulan, auch Rankende Indigopflanze, Kraut der Unsterblich- keit oder Fünfblättriger Ginseng genannt, gehört wie die Gur- ken, Kürbisse und Melonen zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Die Gattung Gynostemma besteht aus 21 Spe- zies, von denen Jiaogulan – botanisch Gynostemma pentaphyllum – am bekanntesten ist und die breiteste Nutzung erfährt [Ahmed, 2023]. Das Ursprungsgebiet liegt überwiegend im Süden Chinas, zu finden ist die einjährige bis ausdauernde krautige Pflanze darü- ber hinaus beispielsweise in Indien, Nepal, Bangladesch, Sri Lanka, Myanmar, Korea, Vietnam, Thailand oder Japan. Sie wächst in Wäl- dern und im Buschwerk an Berghängen bis auf 3000 m Höhe, und erreicht niederliegend oder kletternd eine Länge von 4–8 m. An ih- ren Ranken finden sich annähernd symmetrische Laubblätter aus fünf bis sieben verkehrt eiförmigen bis lanzettlichen Blättchen. Die zweihäusige Pflanze besitzt im März bis November bis zu 30 cm lange, hängende Blütenstände. Die Früchte sind kleine, runde, an- fangs hellgrüne bis grüne Strauchbeeren, die im reifen Zustand fast schwarz werden können [Blaschek, 2014]. Die Pflanze wurde über Jahrhunderte als Nahrungs- und Heilmittel verwendet. Faktoren wie ihr rascher Wachstumszyklus, hohe Erträ- ge und Nährstoffgehalte sowie die zahlreichen medizinischen Ver- wendungsmöglichkeiten haben zu der starken Verbreitung von Gy- nostemma pentaphyllum beigetragen [Li, 2025]. Verwendung von Jiaogulan als Heil- und Nahrungsmittel In China findet sich die erste Beschreibung von Jiaogulan in der Ming-Dynastie im Buch „Herbs for Famine“ (1406). Darin sind Pflanzen enthalten, die in Hungersnöten als reichhaltige und ge- sunde Speisen verwendet werden können. Die Traditionelle Chine- Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) ist auch unter dem Namen „Kraut der Unsterblichkeit“ bekannt – sicherlich aufgrund seiner vielfältigen traditionellen Anwendungen. © nattakit/stock.adobe.com e z n a l f p l i e H e t n n a k e b n U e v i t k e p s r e P . d e v r e s e r s t h g i r l l A . e m e h T . i 6 2 0 2 © | 1 5 – 8 4 : 1 ; 6 2 0 2 n e z n a l f p l i e H . ) m u l l y h p a t n e p a m m e t s o n y G l ( n a u g o a i J . l M e e s e w Z i 49