Grundlagen | Philosophie ▪ bei A.T. Still die 6 Hauptkategorien Materie, Sein, Tun, Spiritualität, Korruption, Irrelevanz und ▪ bei J. Wesley 9 Hauptkategorien Tun, Materie, Sein, Korruption, Spiritualität, Irrelevanz, Geist, Seele und Himmel erarbeitet werden. Im Wesentlichen gibt es eine inhaltliche Übereinstim- mung bei den 4 Hauptkategorien Materie, Sein, Tun und Spiritualität. Sie beschreiben den Raum, in dem sich A.T. Stills Gesundheitsbegriff bewegt. ▪ Materie: beschreibt Gesundheit in Bezug auf die anatomische Ordnung im Körper, die Flüssigkeiten und Funktionen ▪ Sein: beinhaltet Begriffe, welche die Gesundheit näher im Wesen beschreiben, z. B. Harmonie, vollkommen, komplett ▪ Spiritualität: beschreibt das Vorkommen des Gesundheitsbegriffs mit einem Gottesbezug bzw. in Verbindung mit dem Schöpfer ▪ Tun: benennt Handlungen oder Verhaltensweisen, welche die Gesundheit wiederherstellen oder ihr entgegenwirken Selbstheilungskräfte Andrew Taylor Still und John Wesley verwenden den Ge- sundheitsbegriff in einem vergleichbaren Kontext. So be- schreibt z. B. John Wesley 1774 die Selbstheilungskräfte im menschlichen Körper. Die Rolle des Arztes ist es, „die Kräfte des Lebens und der Natur dazu zu bringen, für sich selbst zu handeln“ ([12], S. 583), oder wie Still 1902 es be- schrieb, „die Dinge in die richtige Reihenfolge zu bringen und darauf zu vertrauen, dass die Natur die gewünschten Ergebnisse, nämlich ‚Leben und Gesundheit‘ erzielt“ ([13], S. 237). Dabei spielen die Gefäße und die Durchblutung bei beiden eine wichtige Rolle. Auch hier sind die Aussa- gen beider Autoren nahezu identisch. In seiner Autobio- grafie 1908 schreibt Still, „dass alle Nerven für ihre Quali- täten wie Empfindung, Ernährung und Bewegung vollstän- dig vom Arteriensystem abhängig sind, obwohl sie durch das Gesetz der Gegenseitigkeit der Arterie selbst Kraft, Nahrung und Empfindung zuführen, und verkündet wei- ter, dass der Körper des Menschen die Apotheke Gottes sei und alle Flüssigkeiten, Drogen, Schmieröle, Opiate, Säuren und Antisäuren und jede Art von Medikamenten in sich habe, welche die Weisheit Gottes für das Glück und die Gesundheit des Menschen für notwendig hielt“ ([5], S. 182). Gesundheit und die Aufgabe des Arztes Die Rolle des Arztes ist laut Still, „das vollkommene, har- monische Werk der Gesundheit“ zu beobachten und dann „die Maschinerie des Lebens zu justieren, indem wir alle Blockaden/Verlegung der Blut- und Nervenzufuhr beseiti- gen, die durch Belastungen, Erschütterungen und nervö- se Schocks oder Wunden verursacht werden oder werden könnten, die durch den Wechsel der Jahreszeiten, das Klima und körperliche Verletzungen aller Art entstehen, seien sie groß oder klein“ ([13], S. 204). Auch Wesley be- tont 1763, dass „die Gesundheit von so vielen beweglichen Organen abhängt und ein einziges gestopptes Sekret die Temperatur der Flüssigkeit verderben oder ein einziges verstopftes Rad die Feststoffe zum Erliegen bringen kann“ ([14], Kapitel 1, Abschnitt 54) und wie wichtig dabei die Rolle der „kleinen Gefäße“ und ihre „natürliche Elastizität“ bei der Wiederherstellung der Gesundheit ist ([12], S. 590) seien. Auffällig ist, dass in manchen Texten beide für den Körper das Wort „Maschine“ verwendet haben, und es ist anzunehmen, dass A.T. Still diese Bezeichnung von Wesley übernommen hat. Gott spielt oft eine zentrale Rolle bei Wesley und A.T. Still. Still verehrt ihn als „lebendigen Gott“. Er ist überzeugt davon, dass „ein liebevoller, weiser Schöpfer dem mensch- lichen Körper an irgendeiner Stelle oder im ganzen System Mittel zur Heilung aller Krankheiten mitgegeben hat“ ([5], S. 88) und dass „alle für die Gesundheit notwendigen Heil- mittel im menschlichen Körper bereits existieren“ ([5], S. 88). „Ein Osteopath geht allein und einsam hinaus. Und worauf setzt er sein Vertrauen? Zunächst auf sein Vertrau- en in die Intelligenz und Unveränderlichkeit Gottes“ ([5], S. 247–248). In dieser Haltung empfiehlt Still seinen Nach- folgern, die Gesundheit im Körper zu finden, die Gott zuvor in ihn hineingelegt hat: „Ich finde, was für die Gesundheit, das Wohlbefinden, das Glück des Menschen, die Leiden- schaften und alles andere notwendig ist. Es ist nichts an- deres nötig als einfache, gewöhnliche Ernährung und Übung. Wir finden alle Mechanismen, Eigenschaften und Prinzipien, die der Architekt für den Menschen vorgesehen hat. Lass mich also mit diesem Körper arbeiten, vom Ge- hirn bis zu den Füßen. Er ist ein vollendetes Werk und ist in allen seinen Teilen vertrauenswürdig.“ ([5], S. 248) Wesley geht dabei sogar so weit, dass er der Medizin al- lein nicht zutraut, Gesundheit hervorzubringen. „Die Geschickten in der Medizin und die Gelehrten in der Natur wissen sehr wohl, dass die Gesundheit nicht durch die Me- dizin hergestellt werden kann. Denn ihre Wirkungen sind nur vorübergehend, und ihre häufige Wiederholung ist für die stärksten Kräfte schädlich. Wenn sie wiederhergestellt werden soll, dann nur, indem man die Kräfte des Körpers sanft dazu aufruft, für sich selbst zu handeln, indem man allmählich ein wenig mehr und mehr Aktivität, eine aus- gewählte Ernährung und v. a. Ruhe im Gemüt einführt, indem man den Lebenswandel, der die Krankheit zuerst hervorgebracht hat, völlig ändert; die Medizin arbeitet ein wenig mit. Dass dies die Wahrheit ist, müssen alle wissen, die etwas von der Natur oder der Kunst verstehen.“ ([12], S. 584–585) Für eine natürliche Medizin Die Textaussagen von Still und Wesley ähneln sich auch in Bezug auf die Korruption im Gesundheitswesen sehr. Daran üben beide Autoren Kritik an der damaligen Medi- zin in Bezug auf den Medikamentenmissbrauch und die 24 Dippon M. A.T. Stills „Finding health… DO – Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2026; 24: 22–27 | © 2026. Thieme. All rights reserved.