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I care Pflege

Stoffwechselstörungen: Diabetes mellitus 1091 58.4.5  Pflegebasismaßnahmen Körperpflege und Prophylaxen Patienten mit Diabetes sind infektionsgefährdeter als ande- re. Durch die autonome Neuropathie und fehlende Schweiß- sekretion ist die Haut bei vielen Diabetikern oft trocken. Da- durch entstehen leicht Hautrisse, die als Eintrittspforte für Infektionserreger dienen können. Deshalb ist es besonders wichtig, auf eine sorgfältige und hygienische Hautpflege zu achten, um Pilzinfektionen und bakteriellen Infektionen der Haut vorzubeugen. Es sollten nur milde pH-neutrale Seifen verwendet werden. Lange heiße Bäder sind zu vermeiden, weil die Haut dadurch zu sehr austrocknet. Reine fetthaltige Cremes führen zu einer Überwärmung der Haut. Geeignet sind harnstoffhaltige (Urea) Cremes. Eine gute Hautpflege kann gegen Juckreiz bei trockener Haut helfen. Mund- und Zahnpflege • Wichtig ist eine sehr gute Mund- und Zahnpflege wegen der größeren Gefahr von Karies. Auch der Zahnhalteapparat kann von Parodontitis betroffen sein. Es sollte auf Pilzerkrankungen und Soor (S. 1321) im Mund geachtet werden. Eine gute Mundpflege dient auch der Pneumonieprophylaxe. Regelmäßige Zahnarztbesuche sind bei Patienten mit Diabetes notwendig. Der Zahnarzt muss über die Diagnose Diabetes Bescheid wissen. Gründliche Pflege von Hautfalten • Bei adipösen Menschen besteht in Hautfalten (z. B. in Leisten, unter der Brust) durch das Liegen von Haut auf Haut und starkes Schwitzen, das Risiko von Pilzinfektionen mit Hautläsionen. Diese Bereiche müssen gründlich gewaschen und gründlich abgetrocknet werden. Durch Einlegen von Leinenläppchen oder Kompres- sen kann die Haut trocken gehalten werden. Bei Pilzerkran- kungen helfen Antimykotikasalben. Diese sollen auch nach dem sichtbaren Verschwinden noch mindestens 1 Woche länger benutzt werden. Intimpflege • Eine gute Intimpflege verhindert Blaseninfekte. Liegende Blasenkatheter erfordern eine sehr sorgfältige Bla- senkatheterpflege (S. 447). Es sollte immer überlegt wer- den, ob der Katheter noch notwendig ist. Im Intimbereich ist auf Pilzinfektionen zu achten. Fußpflege • Bei einer bestehenden pAVK (S. 924) dürfen zur Prophylaxe keine medizinischen Thromboseprophyla- xestrümpfe angezogen werden. Hilfreich ist hier ein Geh- training und Fußgymnastik. Die Füße sollten einmal täglich warm abgewaschen und gut abgetrocknet werden. Wichtig sind vor allem die Zehenzwischenräume. Dort verstecken sich häufig Wunden und Pilzinfektionen. Auch Nagelpilz ist häufig anzutreffen. Der Patient sollte lernen, seine Füße regelmäßig mithilfe eines Spiegels auf Wunden und Druck- stellen zu kontrollieren. Gerade neuropathische Füße neigen durch verminderte Schweißbildung zu starker Trockenheit. Durch kleine Risse in der Haut kann es zu Wunden kommen. Gegen trockene und schuppende Haut helfen eine 5–10 % harnstoffhaltige Creme oder Pflegeschaum. Unter starker Hornhaut (Hyperkeratose) kann sich eine Wunde befinden. Hornhautstellen können Druckgeschwü- re verursachen und müssen von einem Podologen entfernt werden. Gleichzeitig solle er die Fußnagelpflege durchfüh- ren (▶ Abb. 58.12). Der Podologe sollte von der Deutschen Diabetes Gesellschaft DDG geprüft sein. Hornhauthobel oder Hornhautpflaster dürfen nicht verwendet werden. Ge- eignet sind Bimssteine. Fußnägel dürfen niemals mit schar- fen Gegenständen oder spitzen Scheren gekürzt werden, um Verletzungen zu vermeiden. ACHTUNG Bei kalten Füßen dürfen niemals Wärmflaschen und Wärmede- cken verwendet werden. Denn aufgrund der Gefühlsstörung be- steht die Gefahr einer unbemerkten Verbrennung. Betten, Lagern, guten Schlaf fördern Bei einer schmerzhaften Neuropathie, die gehäuft in Ruhe auftritt, ist es besonders wichtig, dem Patienten zu raten, mit dem Rauchen aufzuhören, wenig Alkohol zu trinken und den Blutzucker und Blutdruck gut einzustellen. Zur medi- kamentösen Unterstützung gibt es Schmerzmittel, Antide- pressiva und Wirkstoffe gegen Krampfanfall. Immobile Menschen sollten auch nachts umgelagert wer- den. Gefährdete Stellen müssen freigelagert und regelmäßig kontrolliert werden. Da ein Dekubitus gerade bei Diabetes­ patienten schlechter heilt, ist die Prophylaxe ganz beson- ders wichtig. Mobilisieren Beim Mobilisieren gibt es keine großen Unterschiede zu anderen Patienten. Schwierigkeiten machen großes Über- gewicht und Immobilität. Bei Wunden am Fuß muss eine Druckentlastung gewährleistet sein. Ein Entlastungsschuh sollte vom Orthopädieschuhmacher sollte angepasst wer- den. Neuropathische Füße mit Deformierungen benötigen ebenfalls speziell angepasste Schuhe. Generell sollten die Schuhe kontrolliert werden. Es sollte darauf geachtet wer- den, dass Socken nicht einschnüren. Bei einer Neuropathie werden Schuhe oft zu klein gekauft und bergen dann die Gefahr von Druckstellen. Ob die Schu- he zu klein sind, können Sie ganz einfach testen: Bitten Sie den Patienten, sich auf ein Stück Papier zu stellen und zeich- nen Sie den Fuß nach. Die ausgeschnittene Schablone legen Sie in den Schuh und können nun sehen, ob er zu klein ist. Kontrollieren Sie auch, ob sich in den Schuhen Fremdkörper befinden. Merken  Gesundheitsschuhe Sogenannte Gesundheitsschuhe mit Fußbett sind bei einem neu- ropathischen Fuß ungeeignet. Ebenso Schuhe mit hohem Absatz. Abb. 58.12 Fußpflege. Bei Patienten mit Diabetes mellitus ist die Fußpflege sehr wichtig, um Kom- plikationen wie das diabetische Fußsyndrom zu vermeiden. Sie sollte durch einen Podologen erfolgen.

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