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I care Pflege

Pflege bei Erkrankungen des Hormonsystems, Stoffwechselstörungen und ernährungsbedingten Erkrankungen58 1090 Wissen to go Diabetes mellitus – Ernährung Diabetes-Therapien werden begleitet von einer individu- ellen Ernährungsberatung und -planung. Dabei wird das Ernährungskonzept dem jeweiligen Therapieansatz ange- passt: ●● Therapie mit oralen Antidiabetika: Übergewichtige Typ-2-Diabetiker, die orale Antidiabetika nehmen, müs- sen ihr Gewicht langsam reduzieren und sich auf eine ge- sunde, kalorienarme Ernährung umstellen. Sie brauchen keine BE zu berechnen, sollten aber die Wirkung unter- schiedlicher Kohlenhydrate auf den Blutzucker kennen und berücksichtigen. ●● Konventionelle Insulintherapie: Ist der Patient insulin- pflichtig, muss er nach dem Spritzen von Insulin ausrei- chend Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, um eine Hy- poglykämie zu verhindern. Hier ist die Berechnung der verschiedenen BE notwendig. ●● Intensivierte Insulintherapie: Die Insulindosis wird nach der Kohlenhydratmenge der Mahlzeit und dem ak- tuellen Blutzucker berechnet. Die Patienten müssen die Kohlenhydrate richtig berechnen. Generell sollte auf zuckerhaltige Getränke verzichtet wer- den. Fruchtsäfte sollten stark verdünnt werden. Erlaubt sind Wasser, Tee und Kaffee mit Süßstoff, Alkohol nur in Maßen. 58.4.4  Beobachtungskriterien Die Patient sollten auf Anzeichen der Akutkomplikationen Hypoglykämie (S. 1088) und Hyperglykämie (S. 1087) be- obachtet und die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden. Weiterhin sollte auf Anzeichen der Spätfolgen bzw. Folge­ erkrankungen geachtet werden. Dabei sind vor allem folgen- de Beobachtungskriterien wichtig. Hautbeobachtung Die Hautbeobachtung ist von großer Bedeutung. Es sollte auf kleinste Veränderungen geachtet werden, insbesondere auf Einrisse, Blasen und Wunden an den Füßen. Gerade ältere Patienten bemerken Veränderungen an ihren Füßen nicht, z. B. aufgrund von Sehstörungen oder anderen Einschrän- kungen wie Knie- und Hüftleiden. Hinzukommt, dass viele Patienten bei einer bestehenden Neuropathie ihre Füße gar nicht mehr richtig spüren. Auch bei scheinbar kleinen Wun- den besteht die Gefahr einer Infektion mit einer langwie- rigen Wundbehandlung und der Gefahr eines diabetischen Fußsyndroms. Patienten sollten auf die Gefahr einer unbe- merkten Verletzung aufmerksam gemacht werden. Bestehende Wunden sollten vermessen, dokumentiert und fotografiert werden. Es erfolgt eine fachgerechte Wundbe- handlung (S. 562) Bei Wunden, die schon länger bestehen, sollte ein Wundabstrich zur Keimkontrolle gemacht werden. Es empfiehlt sich, einen Wundmanager hinzuziehen. Blutdruck und Körpergewicht Beobachtung des Körpergewichts und des Blutdrucks im Sin- ne der Prävention ist besonders wichtig. Ein gut eingestellter Blutdruck verbessert die Blutzuckereinstellung und senkt das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich. Es wird ein Blutdruck systolisch um die 130 angestrebt. Bei einer vorliegenden Nie- renschädigung eher in Richtung 120. Der Blutdruck sollte bei der Kontrolle an beiden Armen gemessen werden. Über wei- tere Maßnahmen bei Hypertonie lesen Sie im Kapitel Pflege bei Erkrankungen des Kreislauf- und Gefäß-Systems (S. 920). Mit einer Gewichtsreduktion kann auch ein besserer Blutdruck und eine bessere Blutzuckereinstellung erreicht werden. Der Patient sollte sein Gewicht wöchentlich kon- trollieren. Sowohl Blutdruck als auch Gewicht sollten vom Patienten dokumentiert werden. Bei Wassereinlagerungen durch Herz- oder Niereninsuffizienz sollte täglich gewogen werden, um eine Dekompensation schneller zu erkennen. Sehstörungen Am Auge kann es durch starke Blutzuckerschwankungen zu Sehstörungen kommen. Deshalb sollte ein schlecht einge- stellter Blutzucker nicht zu rapide gesenkt werden. Es sollte daran gedacht werden, dass Sehstörungen auch Anzeichen einer Hypoglykämie sein können. Symptome der diabeti- schen Retinopathie treten erst recht spät auf. Der Patient sollte jährlich zum Augenarzt gehen. Depression Eine depressive Stimmung verschlechtert durch Bewegungs- mangel die Blutzuckereinstellung. Es sollte auf Anzeichen einer Depression oder depressiven Verstimmung geachtet werden. Bei Symptomen sollte dem Patienten Hilfe von au- ßen angeboten werden. Bereits bestehende Folgeerkrankungen Falls eine Herz- oder Niereninsuffizienz besteht, sollte kon- trolliert werden, ob sich Ödeme entwickeln, z. B. durch täg- liches Wiegen. Bei Fußödemen kann es durch einschnüren- de Schuhe zu Druckstellen kommen. Auf eine ausreichende Urinmenge sollte geachtet werden, insbesondere wenn der Patient Diuretika einnimmt. Auf Atemnot und Zyanose sollte beobachtet werden, um eine dekompensierte Herzinsuffizienz (S. 899) rechtzeitig zu erkennen. Bei Übelkeit und/oder Druckgefühl im Magen soll- te an einen stummen Herzinfarkt (S. 897) gedacht werden. Bei einer vorliegenden pAVK (S. 924) kann man eine Ver- schlechterung z. B. über eine Verringerung der schmerzfrei­ en Wegstrecke erkennen. Wissen to go Diabetes mellitus – Beobachtungskriterien Immer auf Anzeichen einer möglichen Hypoglykämie (S. 1088) oder Hyperglykämie (S. 1087) achten. Regelmä- ßig kontrollieren: ●● Haut: v. a. an den Füßen auf Einrisse, Blasen oder Wun- den achten ●● Blutdruck und Körpergewicht: gute Werte sind wichti- ge Voraussetzung für eine gute BZ-Einstellung ●● Sehstörungen: können Anzeichen einer Hypoglykämie sein oder durch starke Blutzuckerschwankungen entste- hen Sind bereits Folgeerkrankungen durch den Diabetes aufge- treten (z. B. KHK, Schlaganfall, pAVK, diabetische Retino-, Nephro- oder Neuropathie), müssen die Beobachtungskri- terien entsprechend erweitert werden.

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