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I care Pflege

Pflege bei Erkrankungen des Hormonsystems, Stoffwechselstörungen und ernährungsbedingten Erkrankungen58 1088 Akute Hypoglykämie Definition  Hypoglykämie Bei einer Hypoglykämie (= Unterzucker) handelt es sich um einen Blutzuckerabfall unter 50 mg/dl. Häufig lösen Dosierungsfehler oder Nachlässigkeiten bei der Diabetestherapie eine Hypoglykämie aus, z. B. wenn eine Mahlzeit ausgelassen, die Kohlenhydratmenge falsch be- rechnet oder mehr Sport getrieben wird, ohne die Dosierung anzupassen. Auch Alkohol fördert eine Unterzuckung, weil er die Glukosemobilisierung und Glukoseneubildung in der Leber behindert. Bei einer Hypoglykämie versucht der Körper zunächst, den Blutzucker durch eine Gegenregulation mit Adrenalin anzuheben. Die durch Adrenalin ausgelösten Warnzeichen bzw. Frühsymptome sind starkes Schwitzen, Tachykardie (Herzrasen) und Zittern. ACHTUNG Es ist wichtig, dass Sie diese frühen Warnzeichen erkennen und auch der Patient lernt, diese Symptome richtig zu deuten. Fällt der Blutzucker weiter ab oder fällt er sehr schnell ab, treten neurologische Symptome auf, denn das Gehirn ist auf Glukose angewiesen. Es kann zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Seh- und Sprachstörungen, psychischen Veränderungen (Angst, Unruhe) und sogar zu Lähmungen kommen. Eine massive Hypoglykämie führt zum Krampfanfall und zur ge- fährlichen Bewusstlosigkeit bis zum Koma und sehr schnell auch zum Untergang von Gehirnzellen (▶ Abb. 58.11). Besonders gefährlich ist die Hypoglykämie bei Patienten, die eine Hypoglykämiewahrnehmungsstörung haben. Dies kann der Fall sein bei Patienten mit häufigen Hypoglykämi- en, aber auch nach einem langjährigen Diabetes, wenn das körpereigene Warnsystem durch Adrenalin abgestumpft ist. Diese Patienten merken die Unterzuckerung erst, wenn be- reits Spätsymptome auftreten. ACHTUNG Bei der Hypoglykämie handelt es sich um einen potenziell le- bensbedrohlichen Zustand. Bei einer unklaren Bewusstseinsla- ge sollten Sie immer an eine Blutzuckerentgleisung denken, vor allem, wenn ein Diabetes bekannt ist. Ist der Patient noch klar und ansprechbar, gilt der Grundsatz: Erst essen und dann mes- sen. Handelt es sich um eine Hyperglykämie und nicht um eine Hypoglykämie, ist es nicht so tragisch, wenn der Blutzucker noch ein bisschen ansteigt. Bei Anzeichen einer Hypoglykämie sollten sofort schnell resorbierbare Kohlenhydrate wie Limonade oder Trauben- zucker gegeben werden. Meist verschwinden die Symptome dann schnell wieder. In aller Ruhe kann dann der Blutzucker gemessen werden. Hat der Patient das Bewusstsein verloren, sollten Atmung und Puls kontrolliert und ein Arzt gerufen werden. Intravenös wird hochprozentige Glukoselösung gespritzt und dann der Blutzucker gemessen. Eine Hypo­ glykämie wird in der Patientenakte dokumentiert. Der Gegenspieler von Insulin ist Glukagon. Dieses kann bei einer Hypoglykämie in einer Notfallspritze subkutan gegeben werden, sie wird im Notfall häufig zu Hause einge- setzt. Hinterher sollte der Patient kohlenhydratreich essen. Danach sollte der Blutzucker noch einmal gemessen werden. Chronisch schlecht eingestellte Patienten, die an einen hohen Blutzucker gewöhnt sind, können schon bei eigent- lich normalen oder sogar leicht erhöhten Blutzuckerwerten Hypoglykämiesymptome zeigen. In diesen Fällen werden le- diglich die Symptome behandelt und danach eine langsame Therapieverbesserung angestrebt. Merken  Prophylaxe Hypoglykämie Zur Prophylaxe von Hypoglykämien sollten die Patienten immer Traubenzucker bei sich haben, den sie bei den ersten Anzeichen einer Hypoglykämie zu sich nehmen können. Gerade bei älteren Menschen ist eine Unterzuckerung wegen der höheren Komplika- tionsrate, z. B. durch Stürze, sehr viel gefährlicher als leicht erhöh- te Blutzuckerwerte. Nächtliche Hypoglykämien • In der Einstellungsphase einer Insulintherapie und bei der Behandlung mit Sulfonylharn- stoffen kann es bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zu nächt- lichen Hypoglykämien kommen. Auffällig sind niedrige morgendliche Blutzuckerwerte. Aber auch ein erhöhter morgendlicher Blutzucker kann auf eine nächtliche Hypo- glykämie hinweisen, wenn dadurch eine Gegenregulation ausgelöst wurde (Somogyi-Phänomen). Weitere Sympto- me sind unruhiger Schlaf, starkes Schwitzen während des Schlafens oder morgendliche Abgeschlagenheit. Sinnvoll ist es, besonders in der Einstellungsphase nachts um 2 Uhr den Blutzucker zu messen. Abb. 58.11 Hypoglykämie. Therapiefehler Alkohol Hypoglykämie Traubenzucker, Limonade Glukose i.v. oder Notfallspritze Glukagon Schwitzen, Tachykardie, Zittern neurologische Symptome: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Seh- und Sprachstörungen, psychische Veränderungen Krampfanfall, Bewusstlosigkeit Koma Symptome und Verlauf der Hypoglykämie.

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