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I care Pflege

Pflege bei Erkrankungen des Hormonsystems, Stoffwechselstörungen und ernährungsbedingten Erkrankungen58 1082 Um die genaue Insulindosis in Abhängigkeit von der Mahl- zeit zu ermitteln, sind 2 Faktoren notwendig: ●● Berechnungseinheiten der Mahlzeit ●● BE-Faktor: Die Menge an Insulin, die notwendig ist, um 1 BE abzudecken. Dieser Faktor schwankt im Verlauf des Ta- ges und ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Er muss individuell ermittelt werden. Grundsätzlich ist der Insulin- bedarf pro BE aber in etwa so verteilt: –– 2–4 IE pro BE morgens –– 1–2 IE pro BE mittags –– 2–3 IE pro BE abends Beispiel  Bolusinsulin Frau Müller hat morgens einen BE-Faktor 2, mittags 1 und abends 1,5. Eine Scheibe Brot hat die Berechnungseinheit 2. Wie viele In- sulineinheiten muss Frau Müller morgens, mittags und abends spritzen, um jeweils 2 Scheiben Brot zu essen? Man multipliziert den BE-Faktor mit den entsprechenden BE und erhält die Insulineinheiten. Für Frau Müller ergibt das: Mor- gens müsste sie 2 × 4 = 8 IE, mittags 1 × 4 = 4 IE und abends 1,5 × 4 = 6 IE spritzen. Außer der Broteinheiten der Mahlzeiten müssen aber noch andere Faktoren berücksichtigt werden: ●● aktueller Blutzuckerwert: Vor dem Spritzen muss der ak- tuelle Blutzuckerwert gemessen werden, um die Insulin- dosis bei Abweichungen vom Zielwert anzupassen. ●● Zielwert: Der Zielwert für den Blutzucker wird für jeden Patienten individuell festgelegt. ●● Korrekturfaktor: Er gibt an, um wie viel mg/dl 1 Insulin­ einheit (IE) den Blutzucker senkt. Er ist ebenfalls bei jedem Menschen unterschiedlich, liegt aber bei den meisten zwi- schen 30 und 50 mg/dl. Der Korrekturfaktor wird bei der Insulineinstellung jedes Patienten ausgetestet. ACHTUNG Weiterhin hängt der Insulinbedarf von der körperlichen Aktivität ab. Beim Sport braucht man z. B. weniger Insulin als ohne Bewe- gung. In Belastungssituationen, z. B. bei Fieber und Stress, benö- tigt man eine höhere Dosis Insulin. Korrektur von hohen Blutzuckerwerten Hohe Blutzuckerwerte unter einer Diabetes-Therapie ent- stehen z. B. bei Entgleisungen, akuten Erkrankungen, Infek- ten oder wenn die oralen Antidiabetika nicht auf Anord- nung eingenommen werden. Um zu hohe Blutzuckerwerte auszugleichen, werden Korrektureinheiten Insulin gespritzt. Die Korrektureinheiten können zum Mahlzeiteninsulin hinzugerechnet werden. Um es den Patienten einfacher zu machen, gibt es Tabellen mit Blutzuckerwerten und den entsprechenden Insulineinheiten, die sie vor dem Essen spritzen können und die gleichzeitig korrigieren. Frühestens nach 2 Stunden sollte eine neue Korrektur erfolgen. Beispiel  Korrektur 1 Frau Müller misst morgens vor dem Frühstück einen Blutzucker- wert von 180 mg/dl. Ihr Zielwert liegt bei 100 mg/dl. Ihr Korrek- turfaktor beträgt 40. Wie viel Insulin muss sie vor dem Frühstück spritzen, wenn sie 1 Scheibe Brot essen möchte? Um die Scheibe Brot abzudecken, muss Frau Müller 4 IE Insulin spritzen. Um ihren Blutzucker auf den Zielwert von 100 mg/dl zu bringen, muss der Blutzucker um 80 mg/dl gesenkt werden. Bei einem Korrekturfaktor von 40 rechnet man 80 : 40 = 2 IE. Frau Müller muss also insgesamt 6 IE spritzen. Beispiel  Korrektur 2 Bei Herrn Schmidt wird tagsüber ein Blutzucker von 270 mg/dl gemessen. Sein Zielwert liegt bei 120 mg/dl. Sein Korrekturfaktor bei 30. Der Blutzucker muss also um 150 mg/dl gesenkt werden: 150 : 30 = 5 IE. Um den Blutzucker auf den Zielwert zu bringen, müssen 5 IE gespritzt werden. Wissen to go Diabetes mellitus – Insulineinheiten berechnen Im Rahmen einer ICT oder Insulinpumpentherapie müssen vor jeder Injektion von Bolusinsulin die benötigten Insulin­ einheiten (IE) berechnet werden. Das kurzwirksame Insulin wird vor den Mahlzeiten und zur Korrektur von hohen Blut- zuckerwerten gespritzt. Um die Insulineinheiten zu errechnen, wird jede Mahl- zeit in BE (Broteinheiten, Berechnungseinheiten) oder KE (Kohlehydrateinheiten) eingeteilt. Dabei entspricht 1 BE 12 g Kohlenhydraten und eine KE 10 g. Berechnung der Insulindosis: ●● BE der Mahlzeit × BE-Faktor (er gibt die notwendige In- sulindosis pro BE an und ist individuell unterschiedlich) ●● Beispiel: Eine Scheibe Brot hat 2 BE, der BE-Faktor ist 2. Daraus ergibt sich: 2 × 2 = 4 IE Insulin. Neben den BE der Mahlzeit und dem BE-Faktor müssen auch Zielwert und Korrekturfaktor individuell ermittelt werden. Dabei gibt der Korrekturfaktor an, um wie viel mg/dl 1 IE den Blutzucker senkt. Schließlich muss auch der aktuelle Blutzucker vor dem Spritzen gemessen werden. Bei zu hohen BZ-Werten oder Entgleisungen müssen ggf. Korrektureinheiten gespritzt werden. Insulintherapie: Blutzucker messen Zur Kontrolle des Blutzuckers werden Blutzuckermessgeräte verwendet (▶ Abb. 58.7). Vor der Messung wäscht sich der Patient die Hände und trocknet sie gründlich ab. Die Hände werden desinfiziert und eine neue Lanzette in die Stechhilfe eingesetzt. Ein Teststreifen wird aus der Packung genom- men und in das Gerät eingeführt. Die meisten Geräte codie- ren den Teststreifen automatisch. Es sollte geprüft werden, ob der Code in der Geräteanzeige mit dem auf der Packung übereinstimmt. Danach werden Handschuhe angezogen. Um das Einstechen für den Patienten so schonend wie möglich zu machen, sollte zunächst eine geringe Einstich- tiefe an der Stechhilfe eingestellt werden. Sollte der Bluts- tropfen nicht ausreichen, wird die nächsthöhere Einstellung gewählt. Die Stechhilfe wird an einer seitlichen Fingerbeere (weniger schmerzhaft als an der Fingerkuppe; außerdem wird so das Tastempfinden weniger beeinträchtigt) des Patienten aufgesetzt und der Auslöser gedrückt. Daumen oder Zeigefinger sollten nicht verwendet werden, weil sie im Alltag am meisten beansprucht werden. Der Finger wird sanft gedrückt, um einen ausreichend großen Blutstropfen zu bekommen – zu starkes Drücken setzt Lymphe frei und verdünnt die Blutprobe. Der Blutstropfen wird an den Test- streifen gehalten, sodass dieser in das Testfeld eingesogen wird. Das Gerät misst erst, wenn die Blutmenge ausreicht. Alternativ zur Fingerbeere kann das Blut aus dem Ohrläpp- chen des Patienten gewonnen werden. Das restliche Blut am Finger des Patienten wird mit einem keimarmen Tupfer entfernt und der Blutzuckerwert in der

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