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I care Pflege

Stoffwechselstörungen: Diabetes mellitus 1079 Wissen to go Diabetes mellitus – Insuline Bei der Substitution von Insulin wird versucht, die physio- logische Sekretion der Bauchspeicheldrüse nachzuahmen. Diese gibt neben kontinuierlich geringen Mengen (basale Sekretion) nach einer Mahlzeit größere Mengen Insulin ab (prandiale Sekretion). 3 verschiedene Insulinarten werden angewendet: ●● Kurzwirksame Insuline (Bolusinsuline): –– Normalinsuline und kurzwirksame Insulinanaloga –– puffern plötzliche Blutzuckeranstiege ab, z. B. nach Mahlzeiten –– Stechampullen und PENs mit Normalinsulin sind gelb markiert ●● Langwirksame Insuline (Verzögerungsinsuline, Ba­ salinsuline): –– NPH-Insuline und langwirksame Insulinanaloga –– zur Deckung des Grundbedarfs –– PENs und Stechampullen mit NPH-Insulin sind grün markiert –– müssen vor jeder Injektion 20-mal geschwenkt werden ●● Mischinsuline: –– kurz- und langwirksame Insuline gemischt –– müssen vor der Injektion 20-mal geschwenkt werden Alle Insuline werden nach Internationalen Einheiten (IE) dosiert. Stechampullen für Einwegspritzen sind mit 40 oder 100 IE/ml erhältlich. Insulinampullen für Pens enthal- ten 100 IE/ml. Insulintherapie: Die verschiedenen ­Therapiearten Welche Insulintherapie durchgeführt wird, richtet sich zum einem nach der Art des Diabetes und zum anderen nach dem körperlichen und geistigen Zustand des Patienten. Typ-1-Diabetes • Der Körper produziert kein eigenes Insulin. Der Körper benötigt also einerseits Insulin, das den Grund- bedarf des Körpers deckt und andererseits Insulin, das einen plötzlichen Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit abpuf- fert. Fast alle Menschen mit Typ-1-Diabetes behandeln sich heute mit der sog. intensivierten konventionellen Thera- pie (ICT). Bei starken Blutzuckerschwankungen kommt auch eine Insulinpumpentherapie infrage. Merken  Keine Insulinpause Bei einem absoluten Mangel an Insulin muss eine 24-Stunden- Abdeckung gewährleistet sein. Bei einer Insulinpause besteht die Gefahr einer gefährlichen Ketoazidose. Deshalb muss auch bei vorgegebener Nüchternheit z. B. im Krankenhaus immer das langwirksame Basalinsulin gespritzt werden. Typ-2-Diabetes • Eine Insulintherapie ist notwendig, wenn Kontraindikationen für die orale Therapie vorliegen, z. B. bei Lebererkrankungen, Alkoholismus, Niereninsuffizienz oder wenn das individuelle Therapieziel des Patienten durch Lebensstiländerung und eine Therapie mit oralen Antidia- betika nicht (mehr) erreicht wird. Nach den Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft sollte die Insulintherapie beginnen, wenn 2 orale Antidiabetika es nicht mehr schaf- fen, den HbA1c unter 7 % zu halten. Individuelle Faktoren • Welche Therapieform eingesetzt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Bei der Auswahl spielen nicht nur die Blutzuckerwerte eine Rolle, sondern auch Begleiter- krankungen, Lebensgewohnheiten, persönliche Fähigkeiten und die individuellen Bedürfnisse des Patienten. Wichtig ist, dass gemeinsam mit dem Patienten eine Therapie entwor- fen wird, die alle Faktoren berücksichtigt. Um die Folgeer- krankungen möglichst zu vermeiden oder gering zu halten, werden bei jüngeren Patienten sehr gute Blutzuckerwerte mit einem HbA1c um die 6,5 % angestrebt. Dabei sollten aber Unterzuckerungen vermieden werden. Bei alten und pflegebedürftigen Patienten soll die Lebensqualität im Vor- dergrund stehen. Eine gute Blutzuckereinstellung verbessert die Hirnleistung und verhindert eine Exsikkose. Eine Unter- zuckerung begünstigt Stürze, Schlaganfälle und Herzinfark- te. Ein HbA1c von 8 % wird hier toleriert. Bei der Wahl der Therapie muss auch geschaut werden, wie der Patient damit zu Hause zurechtkommt. Schulungen • Die Angst und die Unsicherheit vor einer In- sulintherapie muss den Menschen durch konkrete Schulun- gen genommen werden. Sie sollten nach der Schulung in der Lage sein, selbst den Blutzucker zu messen, das Insulin nach Plan oder Tabelle zu spritzen, und sie sollten wissen, wie Kohlenhydrate und andere Nahrungsmittel auf den Blutzu- cker wirken. Bei Entgleisungen müssen die Patienten wissen, wie sie richtig reagieren und wie sie die Insulintherapie ihren Lebensverhältnissen anpassen können. Menschen, die geistig fit sind und flexibel leben möchten, kann die ICT empfohlen werden. Bei alten und pflegebedürftigen Menschen wird die einfachste, machbare Lösung gesucht. Die Angehörigen kön- nen mitgeschult werden oder das Insulin wird vom Pflege- dienst gespritzt. Um die Insulintherapie besser beurteilen zu können, sollte der gemessene Blutzucker und das gespritzte Insulin in Blutzuckertagebüchern dokumentiert werden. Basalunterstütze orale Therapie = BOT Zu Beginn einer Insulintherapie wird bei Typ-2-Diabetes bei Fortschreiten der Erkrankung oft ein Basalinsulin zur Unter- stützung der oralen Therapie eingesetzt. Die BOT ist vor allem bei Patienten mit einem erhöhten Nüchternblutzucker ange- zeigt. Bei der BOT wird um 22:00 Uhr ein NPH-Insulin oder ein langwirksames Insulinanaloga (z. B. Lantus, Levemir) gespritzt. Merken  BOT-Einstellung Bei nachlassender Insulinwirkung setzt die Leber nachts Gluko- se frei und sorgt so für eine morgendliche Blutzuckererhöhung. Um 2:00 Uhr sollte deswegen bei der Einstellung auf eine BOT der Blutzucker gemessen werden. Es wird anfangs nur wenig Insulin gespritzt und dann lang- sam über Tage gesteigert, bis der Nüchternblutzucker zwi- schen 100–120 mg/dl erreicht wird. Die BOT ist ein langsamer Einstieg in die Insulintherapie, bei der sich die Menschen langsam damit vertraut machen, sich Insulin zu spritzen. Es wird als nicht so einschneidend angesehen. Ältere Menschen haben es leichter, wenn sie nur 1-mal am Tag die gleiche Dosis spritzen. Supplementäre Insulintherapie = SIT Bei Patienten mit Diabetes Typ 2, die nach dem Essen erhöh- te Blutzuckerwerte haben, bietet sich diese Therapie an. Der Patient wird mit Metformin behandelt und spritzt zu den Mahlzeiten ein kurzwirksames Insulin. Das Basalinsulin produziert der Körper.

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